Sonnen- und Mondfinsternisse entstehen, wenn Sonne, Erde und Mond auf einer Linie stehen. Sonnenfinsternisse treten bei Neumond auf, Mondfinsternisse bei Vollmond, jeweils nahe den Mondknoten. In der Astrologie sind sie Wendepunkte, die ein Horoskopthema verstärken, ohne dass sich eine Wirkung nachweisen ließe.
Wie entsteht eine Finsternis?
Welche Arten von Sonnenfinsternis gibt es?
Welche Arten von Mondfinsternis gibt es?
Warum gibt es nicht jeden Monat eine Finsternis?
Was ist der Saros-Zyklus?
Wie deutet die Astrologie Finsternisse?
Wie wirkt eine Finsternis im Geburtshoroskop?
Was haben Finsternisse mit der Knotenachse zu tun?
Wie beobachtet man Finsternisse sicher?
Steckbrief Finsternisse
- Sonnenfinsternis
- bei Neumond, Mond schiebt sich vor die Sonne
- Mondfinsternis
- bei Vollmond, Mond tritt in den Erdschatten
- Arten Sonnenfinsternis
- total, ringförmig, partiell, hybrid
- Arten Mondfinsternis
- total, partiell, Halbschatten
- Saros-Zyklus
- 6.585,3 Tage, rund 18 Jahre und 11 Tage
- Finsternisjahreszeiten
- zwei im Jahr, je rund 35 Tage
Wenn sich mitten am Tag der Himmel verdunkelt oder der Vollmond rot wird, bleibt kaum jemand gleichgültig. Finsternisse gehören zu den eindrucksvollsten Himmelsereignissen, und die Astrologie schreibt ihnen seit jeher besondere Bedeutung zu. Diese Seite erklärt zuerst, wie sie astronomisch zustande kommen und wie sich ihre Arten unterscheiden. Danach zeigt sie, wie die Deutungstradition sie liest. Aussagen über Ereignisse im persönlichen Leben lassen sich daraus nicht ableiten; die Deutungen sind Bilder, die zum Nachdenken anregen können.
Wie entsteht eine Finsternis?
Eine Finsternis entsteht, wenn Sonne, Erde und Mond ungefähr auf einer Geraden stehen. Bei einer Sonnenfinsternis steht der Mond zwischen Sonne und Erde und wirft seinen Schatten auf die Erdoberfläche. Das geschieht stets bei Neumond. Bei einer Mondfinsternis steht die Erde zwischen Sonne und Mond, und der Mond läuft durch den Erdschatten. Das geschieht stets bei Vollmond. Die Grundlagen der Phasen erklärt die Seite Mondphasen.
Der Schatten eines Körpers besteht aus mehreren Teilen. Im Kernschatten, der Umbra, ist die Sonne vollständig verdeckt. Im Halbschatten, der Penumbra, ist sie nur teilweise verdeckt. Bei der Sonnenfinsternis kommt ein dritter Bereich dazu: die Antumbra, der Teil des Mondschattens jenseits der Spitze des Kernschattens. Dort ist die Sonne nur teilweise verdeckt, und der Mond erscheint als vollständige dunkle Scheibe vor ihr.
Ob bei einer Sonnenfinsternis die Sonne ganz verschwindet oder nicht, hängt vom Abstand des Mondes ab. Seine Bahn ist eine Ellipse mit der Exzentrizität 0,0549. Er ist mal näher, mal ferner, und damit erscheint seine Scheibe mal größer, mal kleiner als die der Sonne. Der Schatten ist im Vergleich zur Erde klein, sodass eine totale Sonnenfinsternis nur in einem schmalen Streifen zu sehen ist. Eine Mondfinsternis dagegen ist auf der gesamten Nachtseite der Erde zu sehen, wo der Mond am Himmel steht.
Welche Arten von Sonnenfinsternis gibt es?
Es gibt vier Arten, und alle unterscheiden sich in der Form des Schattens, der die Erde trifft.
- Totale Sonnenfinsternis: Der Kernschatten des Mondes trifft die Erde. Die Sonnenscheibe ist ganz verdeckt, und die Korona, die äußere Hülle der Sonne, wird mit bloßem Auge sichtbar.
- Ringförmige Sonnenfinsternis: Der Mond ist zu weit entfernt, um die Sonne ganz zu verdecken. Die Antumbra trifft die Erde, und die Sonne erscheint als leuchtender Ring um die dunkle Mondscheibe.
- Partielle Sonnenfinsternis: Nur der Halbschatten trifft die Erde. Der Mond verdeckt die Sonne nur zum Teil.
- Hybride Sonnenfinsternis: Kern- und Antumbra überstreichen nacheinander die Erde. Die Finsternis ist an manchen Orten ringförmig, an anderen total. Meist beginnt sie ringförmig, wird total und kehrt zur ringförmigen Form zurück.
Überall außerhalb der schmalen Bahn von Kern- oder Antumbra ist die Finsternis nur partiell zu sehen. Wer eine totale Sonnenfinsternis erleben möchte, muss deshalb in der Regel reisen. Pro Jahr sind es zwei bis fünf Sonnenfinsternisse aller Arten, die irgendwo auf der Erde stattfinden.

Welche Arten von Mondfinsternis gibt es?
Bei Mondfinsternissen sind es drei Arten, je nachdem, wie weit der Mond in den Schatten der Erde eintritt.
- Halbschattenfinsternis: Der Mond läuft ganz oder teilweise durch den Halbschatten der Erde, verfehlt aber den Kernschatten.
- Partielle Mondfinsternis: Der Mond tritt zum Teil in den Kernschatten ein, aber nicht vollständig.
- Totale Mondfinsternis: Der Mond tritt vollständig in den Kernschatten der Erde ein.
Im zwanzigsten Jahrhundert gab es 229 Mondfinsternisse: 83 Halbschattenfinsternisse, 65 partielle und 81 totale. Die Verteilung schwankt von Jahrhundert zu Jahrhundert, dennoch zeigt sie, dass totale Mondfinsternisse keineswegs selten sind. Anders als bei der Sonnenfinsternis ist jede Phase einer Mondfinsternis gefahrlos mit bloßem Auge oder durch ein Fernrohr zu betrachten.
Warum gibt es nicht jeden Monat eine Finsternis?
Würde der Mond in der Bahnebene der Erde um sie kreisen, käme es bei jedem Neumond zu einer Sonnen- und bei jedem Vollmond zu einer Mondfinsternis. Seine Bahn ist aber um 5,145 Grad gegen die Ekliptik geneigt. Meist zieht der Neumond deshalb an der Sonne vorbei, und der Vollmond streift am Erdschatten vorbei. Eine Finsternis ist nur möglich, wenn die Phase nahe einem der beiden Schnittpunkte der Mondbahn mit der Ekliptik liegt. Diese Punkte heißen Mondknoten, ausführlich beschrieben auf der Seite Mondknoten.
Die Sonne durchläuft die Knotengegend zweimal im Jahr. Die beiden Zeitfenster heißen Finsternisjahreszeiten. Jede dauert rund 35 Tage, und die zweite liegt knapp ein halbes Jahr nach der ersten. Nur in diesen Fenstern kann ein Neu- oder Vollmond zur Finsternis werden. Weil sich die Knotenachse langsam rückwärts durch den Tierkreis dreht, wandern die Finsternisjahreszeiten von Jahr zu Jahr im Kalender nach vorn.
Daraus folgt für die Astrologie eine feste Regel: Finsternisse stehen immer in der Nähe der Knotenachse, und die Zeichenpaare, in denen die Knoten stehen, bestimmen, in welchen Zeichen Finsternisse über längere Zeit gehäuft auftreten. Die Zeichen wechseln im Rhythmus von etwa anderthalb Jahren.
Was ist der Saros-Zyklus?
Finsternisse wiederholen sich in einem festen Muster. Der Saros-Zyklus dauert 6.585,3 Tage, das sind 18 Jahre, 11 Tage und 8 Stunden. Er entspricht 223 synodischen Monaten. Das Muster ergibt sich aus einer Übereinstimmung dreier Monatslängen: 223 synodische Monate (29,530589 Tage je Monat), 239 anomalistische Monate (Perigäum zu Perigäum, 27,554550 Tage) und 242 drakonitische Monate (Knoten zu Knoten, 27,212221 Tage) sind fast gleich lang. Nach einem Saros stehen Sonne, Mond und Knoten also nahezu wieder gleich, und die Finsternis wiederholt sich in ähnlicher Form.
Der Bruchteil von einem Drittel Tag bedeutet, dass sich die Erde in der Zwischenzeit um rund acht Stunden weiterdreht. Eine Sonnenfinsternis wandert beim nächsten Saros deshalb um etwa 120 Grad nach Westen. Erst nach drei Zyklen, also 54 Jahren und 34 Tagen, kehrt sie in die gleiche Region zurück.
Eine Saros-Serie hat ein Leben: Sie beginnt mit Finsternissen am Rand des Schattens, erreicht eine Mitte und endet wieder am Rand, weil die Knoten pro Zyklus etwa ein halbes Grad nach Osten rücken. Eine Serie dauert zwischen 1.226 und 1.550 Jahren und umfasst 69 bis 87 Finsternisse, von denen rund 40 bis 60 zentral sind, also total, hybrid oder ringförmig. Zu jedem Zeitpunkt laufen etwa 40 Serien gleichzeitig.
Für die Astrologie hat der Saros eine praktische Seite. Er erlaubt, Finsternisse einer Serie wie eine Familie zu betrachten: Wer Thema und Tierkreisgrad früherer Mitglieder kennt, sieht, wo die nächste in ähnlicher Lage steht. Vorhersagen für das persönliche Leben ergeben sich daraus nicht.

Wie deutet die Astrologie Finsternisse?
In der Deutungstradition sind Finsternisse Schwellenmomente. Die Sonne, Sinnbild des Bewusstseins, wird verdeckt, oder der Mond, Sinnbild von Gefühl und Gewohnheit, wird verdunkelt. Beides steht für einen Moment, in dem Vertrautes zurücktritt. Die Astrologie liest daraus ein Bild für Wendepunkte: Etwas Altes endet, etwas Neues kündigt sich an. Eine Sonnenfinsternis steht als Neumond für Anfänge und äußere Veränderung. Eine Mondfinsternis steht als Vollmond für Abschlüsse, Klärung und Verarbeitung.
Die Tradition unterscheidet auch nach dem Zeichen, in dem die Finsternis stattfindet. Eine Finsternis im Widder betont Eigeninitiative, eine in der Waage Beziehungen und Ausgleich, eine im Steinbock Verantwortung und Struktur. Die Eigenschaften der Zeichen stehen auf den Seiten zu den Sternzeichen, die Gruppen der Elemente geben zusätzlich einen Rahmen.
Die moderne psychologisch geprägte Astrologie rückt die persönliche Ebene in den Vordergrund: Finsternisse als Auslöser für Entscheidungen. Gemeinsam ist den Lesarten, dass Finsternisse nicht als Ereignis an sich, sondern als Auslöser verstanden werden, der ein bestehendes Thema des Horoskops in Bewegung bringt.
Wie wirkt eine Finsternis im Geburtshoroskop?
Im Alltag der Deutung wird gefragt, wo eine Finsternis im eigenen Geburtshoroskop landet. Das ist der Grad im Tierkreis, an dem Sonne und Mond während der Finsternis stehen. Fällt dieser Punkt auf einen Planeten oder einen Eckpunkt des Horoskops, etwa den Aszendenten, ist die Verbindung in der Tradition besonders markant. Üblich ist ein enger Orbis von wenigen Graden; die Angaben unterscheiden sich von Schule zu Schule.
Fällt die Finsternis in ein Haus, wird dessen Lebensbereich betont. Die Bedeutung der zwölf Felder erklärt die Seite zu den Häusern. Eine Finsternis im siebten Haus lenkt die Aufmerksamkeit auf Partnerschaft, eine im zehnten auf Beruf und Ansehen. Die Wirkung wird dabei oft als lang anhaltend beschrieben, über Monate bis zum nächsten Finsternispaar. Das ist eine Konvention der Deutung und keine Beobachtung, die sich messen lässt.
Wer mit Finsternissen arbeitet, ordnet sie meist zusammen mit Transiten und dem Solarhoroskop ein. Für sich allein wird eine Finsternis selten gedeutet. Entscheidend ist die Frage, welche Bereiche des eigenen Lebens im betreffenden Zeitraum ohnehin in Bewegung sind. Eine Garantie für Ereignisse gibt es nicht, und wer sich vor Finsternissen fürchtet, sollte wissen, dass der Himmelsablauf selbst vollkommen berechenbar und harmlos ist.
Was haben Finsternisse mit der Knotenachse zu tun?
Die Mondknoten sind die beiden Punkte, an denen die Mondbahn die Ekliptik schneidet. Im Horoskop bilden sie eine Achse aus Nordknoten und Südknoten, die in der Astrologie für Entwicklungsrichtung und Gewohnheit steht. Finsternisse finden immer in der Nähe dieser Achse statt. Deshalb werden sie als Aktivierungen der Knotenachse gelesen: Der Nordknoten betont den Weg nach vorn, der Südknoten das Vertraute, das losgelassen werden darf.
Weil die Knotenachse in 18,6 Jahren einmal durch den Tierkreis wandert, bleibt ein Finsternispaar über rund anderthalb Jahre in demselben Zeichenpaar. Diese langen Phasen werden als Zeitabschnitte gelesen: Eine Zeit der Finsternisse in der Achse Löwe und Wassermann betont etwa Selbstausdruck und Gemeinschaft, eine in der Achse Krebs und Steinbock Zuhause und Beruf. Weitere Zusammenhänge zu Lilith und zu den Mondhäusern sind vor allem Gegenstand der fortgeschrittenen Deutung und für den Einstieg nicht nötig.
Wie beobachtet man Finsternisse sicher?
Bei der Sonnenfinsternis steht die Sicherheit an erster Stelle. Niemals ohne geeigneten Augenschutz in die Sonne blicken, ausgenommen die Totalität einer totalen Sonnenfinsternis, wenn der Mond die Sonne vollständig bedeckt. Gewöhnliche Sonnenbrillen genügen nicht. Es braucht spezielle Finsternisbrillen oder andere Sonnenfilter, die während aller partiellen Phasen aufgesetzt bleiben. Erst wenn die Sonne ganz bedeckt ist, dürfen sie abgenommen werden. Ohne Brille lässt sich die Finsternis indirekt beobachten, etwa mit einer Lochkamera.
Mondfinsternisse dagegen sind ungefährlich. Man kann sie mit bloßem Auge und mit einem Fernrohr in allen Phasen betrachten. Wer die Deutungen der Astrologie mit eigenen Beobachtungen verbinden möchte, hat mit einer Mondfinsternis den leichteren Einstieg.
Zur Einordnung der Astrologie insgesamt hilft die Seite Ist Astrologie wahr?. Ob man Finsternisse als Wendepunkte deutet oder als faszinierendes Naturschauspiel betrachtet, bleibt jedem selbst überlassen.