Die Mondknoten sind die beiden Punkte, an denen die Mondbahn die scheinbare Sonnenbahn kreuzt. In der Astrologie liegen sie stets einander gegenüber: Der Nordknoten steht für Entwicklungsrichtung und Aufgabe, der Südknoten für Vertrautes und Gewohntes. Astronomisch wandern die Knoten rückläufig und umrunden den Tierkreis in 18,6 Jahren.
Was sind die Mondknoten?
Wie entstehen die Mondknoten astronomisch?
Was haben die Knoten mit Finsternissen zu tun?
Was bedeutet der Nordknoten?
Was bedeutet der Südknoten?
Wie wird die Knotenachse gelesen?
Was zeigt die Knotenachse in den Zeichen?
Was zeigt die Knotenachse in den Häusern?
Welche Rolle spielt der 18,6-Jahres-Zyklus?
Woher stammt die Lehre von den Knoten?
Steckbrief Mondknoten
- Begriff
- Schnittpunkte von Mondbahn und Ekliptik
- Nordknoten
- aufsteigender Knoten, Drachenkopf
- Südknoten
- absteigender Knoten, Drachenschwanz
- Bahnneigung des Mondes
- 5,145 Grad
- Umlauf der Knoten
- 18,6 Jahre, rückläufig
- Abstand zweier Knoten
- immer genau 180 Grad
- Thema
- Entwicklungsrichtung und Gewohnheit
Die Mondknoten sind keine Himmelskörper, sondern geometrische Punkte. Trotzdem gehören sie zu den meistbeachteten Punkten im Horoskop, besonders in der modernen, psychologisch orientierten Astrologie. Dort erzählen sie von der Richtung, in die sich ein Mensch entwickeln kann, und von dem, was er aus der Vergangenheit mitbringt. Diese Seite erklärt, was die Knoten sind, wie sie astronomisch entstehen und wie ihre Deutung in Zeichen und Häusern aussieht.
Die Deutungen fassen die klassische astrologische Tradition zusammen.
Was sind die Mondknoten?
Die Mondknoten sind die beiden Punkte, an denen die Bahn des Mondes die Ekliptik schneidet, die scheinbare Jahresbahn der Sonne am Himmel. Beim aufsteigenden Knoten, dem Nordknoten, wechselt der Mond von der südlichen auf die nördliche Seite der Ekliptik. Beim absteigenden Knoten, dem Südknoten, wandert er wieder nach Süden. Beide Punkte liegen auf einer Linie durch die Erde und sind deshalb immer genau 180 Grad voneinander entfernt.
In der Astrologie stehen sie als Achse im Horoskop. Wer den Nordknoten kennt, kennt automatisch den Südknoten: Er steht im gegenüberliegenden Zeichen und im gegenüberliegenden Haus. Die Deutung liest beide als Paar, nie einzeln.
Die Knoten werden in zwei Varianten berechnet. Der mittlere Knoten bewegt sich gleichmäßig, der wahre Knoten schwankt um den mittleren Wert und ist mal etwas voraus, mal etwas zurück. In vielen Horoskopen unterscheiden sich beide nur um ein bis zwei Grad. Welche Variante zugrunde liegt, steht meist im Horoskopprogramm.
Wie entstehen die Mondknoten astronomisch?
Die Mondbahn liegt nicht in der Ebene der Erdbahn, sondern ist im Mittel um 5,145 Grad dagegen geneigt. Deshalb steht der Mond bei Vollmond und Neumond meist über oder unter der Linie zwischen Erde und Sonne und nicht exakt darauf. Nur an den zwei Schnittpunkten der Ebenen liegt er auf der Ekliptik. Diese beiden Punkte sind die Knoten.
Die Neigung der Mondbahn schwankt leicht. Sie ist am größten, 5,30 Grad, wenn die Sonne in der Nähe eines Knotens oder genau gegenüber steht, und am kleinsten, 5,00 Grad, wenn sie 90 Grad davon entfernt ist. Bei Finsternissen ist die Neigung daher immer nahe ihrem Höchstwert.
Die Mondbahn dreht sich langsam in ihrer Ebene, ein Effekt der Schwerkraft der Sonne. Die Knoten wandern deshalb entgegen der Laufrichtung der Planeten westwärts durch den Tierkreis, um etwa 0,053 Grad pro Tag oder rund 19,3 Grad pro Jahr. Ein Mondmonat, bezogen auf die Knoten, der drakonitische Monat, dauert 27,21222 Tage und ist damit etwas kürzer als der Umlauf des Mondes um die Erde bezogen auf die Sterne mit 27,32 Tagen.
Was haben die Knoten mit Finsternissen zu tun?
Eine Sonnen- oder Mondfinsternis ist nur möglich, wenn Sonne, Erde und Mond auf einer Linie stehen. Dafür muss ein Neumond oder Vollmond in der Nähe eines Knotens stattfinden. Steht der Mond weiter weg, zieht er über oder unter dem Schatten oder der Sonnenscheibe vorbei.
Die Sonne durchwandert im Jahreslauf den Tierkreis und passiert dabei beide Knoten. Das Zeitfenster um einen Knoten heißt Finsternisjahreszeit. Die Sonne braucht im Mittel 173,3 Tage von einem Knoten zum anderen. Weil die Knoten der Sonne entgegenwandern, ist dieses Intervall etwas kürzer als ein halbes Jahr. Es gibt also zweimal im Jahr eine Zeit, in der Finsternisse möglich sind, und diese Zeitfenster rücken von Jahr zu Jahr etwa 19 Tage nach vorn im Kalender.
Daher stammen die alten Bilder vom Drachen: In vielen Kulturen verschlingt ein Drache die Sonne oder den Mond, und die Knoten heißen Drachenkopf und Drachenschwanz. Im indischen Denken heißen sie Rahu und Ketu und zählen zu den neun klassischen Himmelskräften, den Navagraha. Rahu ist der Kopf, der die Sonne verschlingt, Ketu der Rumpf.

Was bedeutet der Nordknoten?
Der Nordknoten steht in der Deutung für die Richtung, in die ein Mensch wachsen kann. Sein Zeichen und Haus beschreiben Qualitäten, die zunächst ungewohnt, vielleicht sogar unbequem sind, aber Entwicklung versprechen. Die Tradition spricht von der Aufgabe, der Lernrichtung oder dem Ruf des Lebens.
In der klassischen Astrologie ist der Nordknoten vermehrend, ähnlich wie Jupiter: Er bringt hinzu, was fehlt. Die moderne Astrologie hat den Gedanken verfeinert und liest den Nordknoten als Einladung, nicht als Pflicht. Wer in diese Richtung geht, wird mit Sinn, aber auch mit Reibung belohnt, denn das Neue verlangt Mut.
Planeten, die in enger Konjunktion zum Nordknoten stehen, verstärken die Aufgabe. Sie bezeichnen Fähigkeiten, deren Entwicklung dem Leben Richtung gibt. Eine Sonne am Nordknoten wird in der Deutung als Aufforderung gelesen, eigene Ziele zu verfolgen. Ein Mond am Nordknoten als Aufruf, auf Gefühle und Bedürfnisse zu hören.
Was bedeutet der Südknoten?
Der Südknoten steht für das Vertraute. Sein Zeichen und Haus zeigen Muster, in denen sich ein Mensch ohne Anstrengung bewegt: Begabungen, Gewohnheiten, Rollen, aber auch Sackgassen, in die er sich aus Bequemlichkeit immer wieder begibt. Klassisch ist der Südknoten ein mindernder Punkt, ähnlich wie Saturn: Er nimmt weg und verlangt Loslassen.
Die moderne Astrologie liest den Südknoten als Erfahrungsspeicher. Wer in einem Bereich schon vieles beherrscht, darf ihn nicht verachten, sondern als Fundament nutzen und über ihn hinauswachsen. Viele deuten den Südknoten zusätzlich im Sinne früherer Leben oder ererbter Muster, andere psychologisch als Kindheitsprägung. Beides sind Deutungsangebote, die nicht beweisbar sind und sich nicht ausschließen müssen.
Wie wird die Knotenachse gelesen?
Die Knotenachse ist ein Spannungsfeld zwischen zwei Polen. Wer nur den Südknoten lebt, bleibt im Gewohnten, wer nur den Nordknoten sucht, verliert seine Wurzeln. Gesund ist das Pendeln: Aus dem, was der Südknoten schenkt, kommt die Kraft für die Richtung des Nordknotens.
Ein Beispiel: Nordknoten im Widder, Südknoten in der Waage. Das Gewohnte ist Anpassung, Ausgleich, Rücksicht auf andere. Die Aufgabe besteht darin, eigene Wünsche zu äußern und Entscheidungen zu treffen. Die Waage-Eigenschaften gehen dabei nicht verloren, sie liefern das Taktgefühl, mit dem der Widder-Impuls gelingt.
Aspekte spielen auch hier eine Rolle. Planeten im Quadrat zur Knotenachse bringen Spannung, Planeten im Trigon oder Sextil unterstützen den Weg. Besonders gewichtig sind Aspekte zu Sonne, Mond und Aszendent.

Was zeigt die Knotenachse in den Zeichen?
Weil die Knoten einander gegenüberliegen, gibt es sechs Achsen. Jede wird in zwei Richtungen gelesen, je nachdem, welches Zeichen den Nordknoten trägt.
- Widder und Waage: zwischen Selbstbehauptung und Rücksicht, Eigenwille und Partnerschaft.
- Stier und Skorpion: zwischen Beständigkeit und Wandlung, Besitz und Hingabe, Sicherheit und Tiefe.
- Zwillinge und Schütze: zwischen Neugier und Überzeugung, Detail und Überblick.
- Krebs und Steinbock: zwischen Geborgenheit und Leistung, Familie und Beruf.
- Löwe und Wassermann: zwischen persönlichem Ausdruck und Gemeinschaft, Herzenswärme und Unabhängigkeit.
- Jungfrau und Fische: zwischen Ordnung und Hingabe, Analyse und Vertrauen.
Eine ausführliche Beschreibung der Zeichen bietet die Übersicht der Sternzeichen. Die Deutung gilt immer für beide Seiten der Achse: Wer Nordknoten im Löwen hat, trägt den Südknoten im Wassermann.
Was zeigt die Knotenachse in den Häusern?
Das Haus zeigt, in welchem Lebensbereich die Aufgabe liegt. Die Achsen der Häuser spiegeln die Zeichen:
- 1. und 7. Haus: Selbst und Du. Der Nordknoten im 1. Haus verlangt Eigenständigkeit, im 7. Haus Hinwendung zu anderen.
- 2. und 8. Haus: Eigene Werte und geteilte Ressourcen. Es geht um Besitz, Vertrauen und gemeinsame Verantwortung.
- 3. und 9. Haus: Alltagswissen und Weltbild, Nähe und Ferne, Lernen und Glauben.
- 4. und 10. Haus: Herkunft und Berufung, Rückzug und öffentliche Rolle.
- 5. und 11. Haus: Selbstausdruck und Gemeinschaft, Kreativität und Freundeskreis.
- 6. und 12. Haus: Alltag und Hingabe, Arbeit und Rückzug.
Wie die Häuser berechnet werden, erklärt die Seite zu den Häusersystemen. Ohne genaue Geburtszeit ist das Haus der Knoten nicht zuverlässig zu bestimmen, das Zeichen dagegen meist schon.
Welche Rolle spielt der 18,6-Jahres-Zyklus?
Ein voller Umlauf der Knoten durch den Tierkreis dauert 18,6 Jahre, genau 6793,48 Tage. Die Knoten bleiben deshalb im Mittel rund anderthalb Jahre in einem Zeichen. Menschen eines Jahrgangs teilen ihre Knotenachse mit allen, die in denselben anderthalb Jahren geboren sind. Persönlich wird die Knotenachse erst durch das Haus, die Aspekte und die Planeten, die sie berühren.
Mit 18 bis 19 Jahren steht die Knotenachse wieder dort, wo sie bei der Geburt stand. Diesen Knotenrücklauf, die Knotenrückkehr, deutet die Astrologie als Lebensetappe, in der sich die Frage nach Richtung und Aufgabe besonders stellt. Er wiederholt sich mit rund 37, 56 und 75 Jahren, und jede Rückkehr ist Gelegenheit, die eigene Richtung zu prüfen.
Wenn laufende Planeten die Knotenachse im Horoskop berühren, sprechen Deutende von Schlüsselphasen. Mehr dazu auf der Seite zu den Transiten.
Woher stammt die Lehre von den Knoten?
Die Knoten sind seit der Antike bekannt, weil sie sich aus der Beobachtung von Finsternissen ergeben. Babylonische Astronomen konnten Finsternisse in Zyklen vorhersagen, ohne die Mondbahn geometrisch zu beschreiben. Griechische Astronomen erkannten die Schnittpunkte als Orte der Finsternisse. In der hellenistischen Astrologie wurden sie als Drachenkopf und Drachenschwanz geführt.
Die indische Astrologie führt Rahu und Ketu bis heute als eigenständige Kräfte, die oft stärker gewichtet werden als in der westlichen Praxis. Im Mittelalter vermittelten arabische und lateinische Autoren die Lehre nach Europa.
Die psychologische Deutung der Achse als Entwicklungsweg entstand im zwanzigsten Jahrhundert. Sie prägt die heutige Praxis stärker als die klassische Lehre. Wer Knoten deuten lässt, sollte wissen, dass es hier unterschiedliche Traditionen gibt, die ihre Aussagen nicht aus Messungen, sondern aus dem Symbolgehalt ableiten.