Tarot ist ein Kartensystem aus 78 Karten zur Selbstreflexion und Deutung — 22 Karten der Großen Arkana (z. B. Die Sonne, Der Mond, Das Rad des Schicksals) und 56 Karten der Kleinen Arkana in vier Farben (Stäbe, Kelche, Schwerter, Münzen).
Tarot begleitet Menschen seit Jahrhunderten als Werkzeug, um über die eigene Lebenssituation nachzudenken. Die Bilder auf den Karten erzählen archetypische Geschichten von Anfängen, Prüfungen, Verlusten und Neuanfängen — und genau deshalb lassen sie sich so vielfältig auf das eigene Leben beziehen. Wer Tarot deutet, sucht keine festgeschriebene Zukunft, sondern Anregungen, neue Blickwinkel und Klarheit für anstehende Entscheidungen. Diese Seite erklärt Aufbau, Symbolik und Praxis des Tarots im Sinne der klassischen Deutungstradition. Stand: Juni 2026.
Was ist Tarot?
Tarot ist ein Satz von 78 Bildkarten, der heute vor allem zur Selbstreflexion und symbolischen Deutung genutzt wird. Jede Karte trägt ein eigenes Motiv mit fester Bildsprache, das beim Deuten als Anstoß zum Nachdenken dient.
Ursprünglich entstand das Tarot im 15. Jahrhundert in Norditalien als Kartenspiel — das sogenannte Tarocchi. Erst ab dem 18. Jahrhundert wurden den Karten symbolische und deutende Bedeutungen zugeschrieben. Das bis heute bekannteste Deck, das Rider-Waite-Smith-Tarot von 1909, prägte mit seinen detailreichen Bildern den modernen Umgang mit den Karten und bildet die Grundlage für die meisten heutigen Deutungssysteme.
Im Kern ist Tarot ein Spiegel: Die Karten liefern Bilder und Themen, die der Mensch auf seine eigene Situation überträgt. Damit steht Tarot in einer ähnlichen Tradition wie andere symbolische Systeme der Astrologie oder der Numerologie — es geht um Bedeutungszusammenhänge, nicht um Messbares.
Große und Kleine Arkana: Was ist der Unterschied?
Das Tarot teilt sich in zwei Gruppen: die 22 Karten der Großen Arkana und die 56 Karten der Kleinen Arkana. Die Große Arkana steht für die großen Lebensthemen und seelischen Wendepunkte, die Kleine Arkana für den Alltag und konkrete Situationen.
Der Begriff „Arkana“ leitet sich vom lateinischen arcanum ab, also „Geheimnis“ oder „das Verborgene“. Die Große Arkana (auch Trümpfe genannt) umfasst nummerierte Bildkarten wie Der Narr, Die Hohepriesterin oder Der Turm. Sie gelten in der Deutungstradition als besonders gewichtig — taucht eine solche Karte in einer Legung auf, wird sie meist als zentrales Thema gelesen.
Die Kleine Arkana ähnelt einem klassischen Kartenspiel. Sie besteht aus vier Farben — Stäbe, Kelche, Schwerter und Münzen — mit je zehn Zahlenkarten (Ass bis Zehn) und vier Hofkarten (Bube, Ritter, Königin, König). Jede Farbe steht für einen Lebensbereich: Stäbe für Tatkraft und Wille, Kelche für Gefühle und Beziehungen, Schwerter für Verstand und Konflikte, Münzen für Materielles und Körper.
Die 22 Karten der Großen Arkana
Die 22 Karten der Großen Arkana erzählen als Folge eine Art Lebensreise — oft „die Reise des Narren“ genannt. Sie reicht von der Karte Der Narr (Nummer 0) als unbeschwerter Aufbruch bis zur Karte Die Welt (Nummer 21) als Vollendung.
Jede Karte markiert eine Station dieser inneren Entwicklung. Einige bekannte Beispiele und ihre traditionellen Deutungsfelder:
- Der Narr (0) — Aufbruch, Unbekümmertheit, ein neuer Anfang ohne festen Plan.
- Die Hohepriesterin (2) — Intuition, inneres Wissen, das Verborgene und Unausgesprochene.
- Das Rad des Schicksals (10) — Wandel, Wendepunkte, das Auf und Ab des Lebens.
- Der Turm (16) — plötzlicher Umbruch, das Einstürzen alter Strukturen, Befreiung durch Krise.
- Der Mond (18) — Unklarheit, Träume und Ängste, das Vertrauen auf das Gefühl statt auf den Verstand.
- Die Sonne (19) — Lebensfreude, Klarheit, Erfolg und Wärme.
- Die Welt (21) — Vollendung, Ganzheit, der erfolgreiche Abschluss eines Weges.
Wichtig: Auch „dunkle“ Karten wie Der Turm oder Der Tod (13) bedeuten in der Deutungstradition selten etwas wörtlich Bedrohliches. Der Tod etwa steht meist für Abschied, Loslassen und Neubeginn — nicht für ein konkretes Ereignis. Die Deutung lebt vom Zusammenhang, in dem eine Karte erscheint.
Wie funktioniert eine Tageskarte?
Eine Tageskarte ist eine einzelne Karte, die man morgens zieht, um einen Impuls oder ein Leitmotiv für den Tag zu erhalten. Sie ersetzt keine Entscheidung, sondern lädt dazu ein, den Tag mit einem bestimmten Thema im Hinterkopf bewusster zu erleben.
In der Praxis mischt man das Deck, formuliert innerlich eine offene Frage wie „Worauf darf ich heute achten?“ und zieht eine Karte. Deren Bild und Bedeutung wird dann als Anregung gelesen: Die Sonne könnte daran erinnern, Leichtigkeit zuzulassen; die Schwerter-Karten könnten zu klarer Kommunikation auffordern. Am Abend lohnt der Rückblick — passte das Thema zum erlebten Tag? So wird die Tageskarte zu einem kleinen Ritual der Achtsamkeit.
Die Tageskarte ist der einfachste Einstieg ins Tarot, weil nur ein Symbol gedeutet werden muss. Ein Tageskarten-Tool folgt in Kürze auf astrologie.info, sodass sich täglich eine Karte ziehen lässt. Wer das Prinzip „ein Symbol als Tagesimpuls“ mag, findet Ähnliches auch beim Blick auf das tägliche Sternzeichen.
Wie legt man Tarotkarten?
Tarotkarten werden nach festen Legesystemen ausgelegt, bei denen jede Position eine eigene Bedeutung trägt. Für Einsteiger eignen sich kleine Legungen mit wenigen Karten am besten, weil sie überschaubar bleiben.
Der Ablauf ist meist gleich: Man formuliert eine möglichst offene Frage, mischt das Deck in Ruhe, zieht die Karten und legt sie nach dem gewählten Muster aus. Anschließend deutet man jede Karte im Licht ihrer Position und betrachtet, wie die Karten zusammenwirken.
Bewährte einfache Legesysteme:
- Eine-Karte-Legung: Eine einzige Karte als Antwort auf eine konkrete Frage oder als Tagesimpuls.
- Drei-Karten-Legung: Drei Karten nebeneinander, klassisch gedeutet als Vergangenheit – Gegenwart – Zukunft oder als Situation – Hindernis – Rat.
- Kreuz-Legung: Vier bis fünf Karten, die eine Lage von mehreren Seiten beleuchten (z. B. Kern, Herausforderung, Hintergrund, Möglichkeit).
Beim Deuten gilt: Die Karten geben Themen vor, die Schlüsse zieht der Mensch selbst. Tarot funktioniert dabei am besten als Anstoß zum Nachdenken — als Spiegel, der eigene Gedanken ordnet, nicht als Orakel mit festen Antworten. Wer mag, kombiniert die Symbolik mit anderen Deutungssystemen wie der Numerologie, in der ebenfalls Zahlen und Bedeutungen verknüpft werden.